Ich bin ein Golden Girl

GoldStandardNach vier Tagen Adrenalin, kämpfen obwohl man schon fix und fertig ist, vielen blauen Flecken und aufpassen auf alle anderen in der Gruppe, hielten 23 frisch gebackene SV-Lehrer 3, Gold-Standard, als Erste in Deutschland die begehrte neue Lizenz in der Hand. Ich bin eine davon und ehrlich gesagt mächtig stolz. Mein Feedback an das Vorbereitungsteam war: „Ich hab mich sauwohl gefühlt, auch auf dem Waldboden, mit euch als Team, mit euch als Gesamtgruppe und mit meiner Kleingruppe. Wir haben uns intensiv kennen gelernt und gegenseitig auf die Füße geholfen, wenn wir körperlich und mental am Boden waren.“

Was war geschehen in den vier Tagen? Der Deutsche Karateverband hat für die schon ausgebildeten SV-Lehrer 1 und 2 eine weitere Stufe der Ausbildung eingeführt. Ging es in den ersten beiden Ausbildungsgängen im Bereich Selbstbehauptung und Selbstverteidigung um Anatomie, Verletzungen, Körpersprache, Rollentraining und sehr viel Techniktraining (auch schon bis an die Grenzen und darüber hinaus), so war nun die eigene Persönlichkeit und die mentale Stärke im Fokus. Technisch sind wir alle gute ausgebildet, alle jahrelange Karatekämpfer der unterschiedlichen Stilrichtungen, alle schon lange Trainier und im Besitz der vorigen SV-Lizenzen. Der Schwerpunkt lag nun darin, komplexe Situationen zu bewältigen.

An echten Schauplätzen

Das Ausbildungsteam hat viele kleine Drehbücher geschrieben, Szenen im Wald, in der Kneipe und im Parkhaus. Unterschiedliche „Geschichten“, von pöbelnden Jugendlichen, die nur etwas Spaß haben wollten, bis hin zu aggressiven Gangs, die ein Gewaltvideo drehen wollten und ein „Opfer“ suchten, das zusammen geschlagen werden sollte.
Die Schauplätze waren alle echt, vor Ort. Die Sportschule des Landessportbundes in Hessen war sehr kooperativ, nur die Kneipenszenen mussten wir am zweiten Tag „umorganisieren“ *räusper*. Wir hatten eine Szene in der Kneipe mit einer Messerattacke und der durchgeknallte Angreifer konnte nur mit Stühlen in Schach gehalten werden. Diese krachten einige Male gegen die Wand und hinterließen dort ein paar Spuren. Die Stühle blieben heil und wir entschuldigten uns brav, haben aber am nächsten Tag eine Kneipe in der Halle aufgebaut.

Selbsteinschätzung

Das Ausbilder-Team hat uns genau beobachtet, viele Notizen gemacht und Videos gedreht, die dann ausgewertet wurden. Vor dem Lehrgang sollten wir eine Selbsteinschätzung und Lernziele aufschreiben, nach den Szenen machten wir uns immer wieder selbst Notizen und saugten das Feedback des jeweiligen „Szenenbetreuers“ auf. Beim zweiten Durchlauf am nächsten Tag blieben wir in der Gruppe zusammen und die Örtlichkeiten waren (bis auf die Kneipe) die gleichen. Das war sehr gut, denn so konnten wir Dinge, die beim ersten Mal nicht optimal liefen, wiederholen.

Ich hab zum Beispiel am 2. Tag festgestellt, dass ich mit einer Änderung meines Verhaltens vor dem Kampf meine Position im Kampf gegen drei Gegner so positiv verändern, dass ich gegen die Drei tatsächlich eine kleine Chance hatte, zwar verletzt, aber lebend aus der Situation herauskam. Bei ersten Mal bin ich mit einem Messer im Bauch ins Krankenhaus eingeliefert worden (also im übertragenen Sinne).

Persönliches Coaching

Wer jetzt sagt, das sind „gestellte“ Situationen und die sind nicht echt, dem muss ich sagen: ja, das ist korrekt, aber du bist innerhalb von Sekunden in der Situation, dass uns oft nur die kleine Stimme im Hinterkopf davon abhielt, mit voller Kraft zuzuschlagen, den Schwitzkasten noch enger zu ziehen oder den Stuhl mit voller Wucht auf dem Kopf zerschellen lassen. Meine blauen Flecken und zwei geprellte Finger erzählen davon und da bin ich glimpflich davon gekommen. Ihr solltet mal die anderen sehen.
Nach jeder Szene, die ja mehrmals durchspielt wurde, damit jeder in der Kleingruppe mal in allen Positionen war, lag so viel Adrenalin in der Luft, dass es selbst Fremde rochen.
Unseren Waldspielplatz mussten wir „absperren“, damit Fußgänger nicht die Polizei riefen. Zwei walkende Damen haben ca. 80 m vor uns gewendet und sind den Weg wieder zurück gelaufen, obwohl wir nicht in Aktion waren, sondern uns in der Gruppe besprachen. Unsere Ausstrahlung hat gereicht und die Damen haben sich absolut korrekt verhalten.

Stolz

Vom Ausbilder-Team hat jeder von uns einzeln ein sehr persönliches Feedback bekommen. Sie haben uns so gut beobachtet und sehr detailliert und respektvoll ihre Erkenntnisse und Anregungen mitgeteilt, dass alle sehr glücklich nach Überreichung der Urkunden nach Hause fuhren.

Was ich mitnehme? Ich kann mehr als ich selbst denke, das Team gab mir unter anderem als Rückmeldung: „Du hast eine absolute Kämpfernatur, behalt dir das bei und mach weiter so!“ *stolzbin*

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