Selbstbewusste Kinder wissen was zu tun ist

SchuleEs ist wieder soweit, die ersten ABC-Schützen werden dieser Tage eingeschult. Die Kinder sind aufgeregt, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Doch Eltern denken auch mit Sorge an die Sicherheit auf dem Schulweg. Deswegen wird der Weg schon Tage zuvor immer wieder geübt und die Kinder in den ersten Wochen begleitet. Dann geht der Nachwuchs allein und Eltern beschleicht dabei der Gedanke „Was, wenn etwas passiert? Wenn mein Kind von einem Fremden angesprochen wird? Wenn es von Größeren angepöbelt wird? Es steht ja so viel in der Zeitung!“

Es steht viel in der Zeitung und zwar jeder einzelne Fall, der sich ereignet, auch weil mit der Pressemeldung oft Zeugen gesucht werden. Deswegen entsteht das Gefühl, dass es sehr viele Übergriffe auf dem Schulweg gibt. Die Realität sieht anders aus, es sind weniger als die Berichterstattung vermuten lässt. 2010 gab es insgesamt 652.550 Schüler in Hessen, die offizielle hessische Statistik über Jugenddelinquenz weist davon lediglich 1.936 als tatverdächtig aus. Das sind knapp 0,3 % aller Schüler. Die Zahl sinkt, 2011 waren es nur noch 1.627 Tatverdächtige, also 0,25 %. Zu beachten ist, dass die Zahlen nur Jugendliche erfassen.

Wie können Eltern ihren Ängsten begegnen, ohne dass sie welche bei ihren Kindern schüren?

Paul wird von größeren Schülern verfolgt, die ihn mit den Worten: „He, bleib mal stehen! Wir wollen mit dir reden!“ anpöbeln und versuchen ihn zu schubsen. Paul reagiert nicht auf die Pöbeleien und läuft schnell zu einer vorher identifizierten Rettungsinsel. Das können Geschäfte sein, Banken, ein Imbiss auf dem Weg oder andere öffentliche Gebäude, wie z. B. das Rathaus, kurz: alle Gebäude auf dem Weg, in die Paul schnell hineinkommt. Dort spricht er den nächsten Erwachsenen direkt an: „Ich brauche Hilfe, weil mich größere Jugendliche belästigen.“

So könnte eine Situation ablaufen. Paul hat gelernt, dass es beim „Hilfe holen“ wichtig ist, die Not so konkret wie möglich zu schildern, damit Erwachsene wissen, was zu tun ist. Manchmal befindet sich keine Rettungsinsel in schnell erreichbarer Nähe. Wenn kein anderer Erwachsener, der angesprochen werden kann, da ist, sollte Hilfe in Privathäusern gesucht werden. Egal, ob es ein Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus ist, da hilft „Sturm klingeln“, einer wird aufmachen und kann mit dem gleichen Satz „Ich brauche Hilfe, weil …“ angesprochen werden.
Ist Paul so sehr in Bedrängnis, dass er nicht schnell genug eine Notinsel erreichen kann, muss er überlegen, ob er einfach die Straßenseite wechseln oder umkehren kann. Er weiß, dass es ist nicht sinnvoll ist, den Helden zu spielen und sich auf eine Auseinandersetzung einzulassen.

Lösungsmöglichkeiten für diese und ähnliche Situationen, sollte Paul jedoch mit mehreren Kindern in einem Kurs üben. Es gibt Schulen, die mit erfahrenen Trainern Gewaltpräventionskurse anbieten.

Ein anderes Beispiel: Luisa geht in strömendem Regen nach Hause, sie hat keinen Schirm dabei und versucht notdürftig sich die Jacke über den Kopf zu ziehen. Nachbar Müller fährt mit seinem Auto an ihr vorbei, bremst und sagt: „Luisa, komm steig ein, du wirst ja ganz nass. Ich fahr dich schnell nach Hause!“ Luisa weiß, dass Herr Müller nicht auf der Liste, der Personen steht, mit denen sie fahren darf. Aber sie wird nass. Nach kurzem Überlegen sagt sie laut und deutlich: „Nein, ich darf nicht mit ihnen fahren!“ und geht schnell und entschlossen weiter.

Luisa hat mit ihren Eltern eine Liste geschrieben, auf der Menschen stehen, mit denen sie mitfahren darf. Sie weiß ganz genau, dass sie bei anderen „Nein“ sagen darf und muss. Auch wenn der Nachbar jetzt vielleicht etwas beleidigt ist, ihre Eltern werden mit ihm reden! Darauf kann sie vertrauen.

Offen mit den Kindern reden

Diese beiden Beispiele zeigen, dass man gemeinsam mit seinen Kindern vielen Fällen vorbeugen kann. Dazu ist es wichtig, generell eine offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu pflegen. Dann können Kinder auch „komische“ Erlebnisse schildern, ohne Angst davor zu haben, sich schuldig zu fühlen. Zur Vorbereitung des Schulwegs können sich Eltern in der Schule den so genannten Schulwegeplan besorgen. Dieser ist zwar in erster Linie für die Verkehrssicherheit gedacht, die angegebenen Wege sollten jedoch von den Kindern benutzt werden, auch wegen der Versicherung auf dem Schulweg. Beim „Schulweg-üben“ kann man beiläufig ansprechen, wo das Kind Hilfe bekommt, wenn es welche benötigt. Es ist sinnvoll mit den Kindern darüber nachzudenken, in welchen Situationen sie Hilfe benötigen könnten. Meist kommen sie von selbst auf Umstände wie „Größere verfolgen mich“, „Ich hab mich verlaufen“ oder „Da ist ein böser Mensch“. Alle Beispiele müssen ernst genommen und gemeinsam überlegt werden, wie man diesen Situationen begegnet – und dann gleich beim nächsten Mal auf dem Weg gemeinsam üben!

Tipps im Überblick:

  • Üben Sie den Schulweg Ihres Kindes auch mit dem Blickwinkel für Rettungsinseln / Notinseln.
  • Üben Sie die gewünschte Reaktion auf schwierige Situationen mit Ihrem Kind immer wieder spielerisch.
  • Nehmen Sie die Ängste Ihrer Kinder ernst und überlegen gemeinsam wie diesen begegnet werden kann.
  • Auf Pöbeleien muss Ihr Kind nicht reagieren.
  • Sätze zum „Hilfe holen“ auswendig lernen, damit Ihr Kind im Stress den Satz ohne Nachdenken abrufen kann.
  • Ihr Kind sollte die eigene Telefonnummer (mit Vorwahl!) auswendig wissen.
  • Erstellen Sie gemeinsam eine Liste mit Personen mit denen Ihr Kind mitgehen oder –fahren darf.
  • Machen Sie Ihrem Kind Mut auch gegenüber Erwachsenen deutlich „Nein“ zu sagen, wenn ihm etwas komisch zu sein scheint.

 

Datenquellen:

Jugenddelinquenz und Jugendgefährdung in Hessen, Jahresbericht 2010
Jugenddelinquenz und Jugendgefährdung in Hessen, Jahresbericht 2011
Zahlen der Schülerinnen und Schüler in Hessen

(Dieser Bericht wurde von mir zuerst im August 2012 in www.reinmain.info veröffentlicht.

2 Gedanken zu „Selbstbewusste Kinder wissen was zu tun ist

  1. Hallo, Ihre Berichte sind echt gut.
    Wichtig wäre, den Kindern auch mitzuteilen, wie diese durch das äußere EIGENE WIRKEN, auf andere wirken. Körpersprache ist extrem wichtig!! Muss geübt werden!! In einer Gruppe mit einem Fachtrainer und gemeinsam mit den Kindern. So lernen Kinder, wie wirke ich auf andere? Wie kann ich es besser machen? Die TIPPS des Lehrers annehmen und vergleichen. Das gilt eben auch für Erwachsene. Wer selbstbewusst auftritt, vorher schon Gefahren und gefährliche Situationen durch sein Bauchgefühl erkennt, die Straßenseite sicher wechselt, einen abgesprochenen eventuellen anderen Weg nimmt, sich anderen Menschen anschließt, diese entsprechend anspricht und mitteilt, Ich habe das Problem… ICH HABE ANGST, DARF ICH BEI IHNEN ODER DIR EIN STÜCK GEMEINSAM MITGEHEN, HELFEN SIE ODER DU MIR! So ist jemand nicht alleine. So hat sich dieser ein Schutzschild aufgebaut. Die Hemmschwelle ist so für andere böse viel größer.
    Das Ansprechen durch einen bekannten oder fremden ist immer ein Problem! Täter kennen meist das spezielle Umfeld der Kinder ganz genau. Meistens kommen diese aus dem nahen Umfeld der Kinder. Meistens kennen diese die Namen des Kindes und der Eltern. Was wenn ein Kind angesprochen wird und der Mann, die Frau sagt: Deine Mutter ist im Krankenhaus, und ich soll dich jetzt dort zur Mutter bringen? Nur eine Liste mit Namen bringen zwar Sicherheit. Besser ein Codewort ausmachen, welches besprochen worden ist und nur einem speziellem Personenkreis im Notfall mitgeteilt werden darf. Dieses bleibt geheim. So kann im wirklichem Notfall, auch eine andere Person, mit dem richtigem Codewort helfen. Was wenn auf einmal eine andere Person kommt? Erst mal mehrere Schritte ABSTAND zum Auto. Nach dem Codewort fragen. Falls dieses falsch ist, sofort sicher weglaufen und dabei sehr laut Hilfe, Feuer, Überfall rufen! So ist die Aufmerksamkeit anderer der beste Schutz. Gezielt noch Personen ansprechen: Wie? Helfen Sie mir! Die Frau oder der Herr mit der Brille, Farbe der Jacke, Körperkontakt, deutlich sprechen, mitteilen was passiert ist und sagen, ICH HABE ANGST! So ist die Situation sicher gelöst. Wichtig ist es auch die Polizei umgehend darüber zu informieren. Im besten Fall, kann ein Kind die Person, die Wagenfarbe oder gar das Kennzeichen nennen. Angesprochene Zeugen werden auch noch helfen. Wird nicht so gehandelt, lassen wir Täter freien lauf. Die Polizei kennt öfters diverse Täter… Wir haben so in unseren Kursen, welche wir Bundesweit anbieten unter http://www.wt-nuernberg.jimdo.com schon vielen Kindern so helfen können. Es kam so nicht zum Übergriff. Gar Täter wurden überführt. Kinder lernen auch die richtige Zivilcourage, nämlich anderen richtig zu helfen!
    Beispiel, welches sich 11.2015 in Nürnberg, bei der Maria Ward Schule, nahe des Ubahnabganges, vor einem Ärztehaus abspielte: Ein Kind (Mädchen) aus unserem Kurs, 8 Jahre, sah, wie eine Frau aus einer Tür des Treppenhauses eines Ärztehauses kam. Ein Mann kam von einer Ecke hervor. Er packte diese von hinten am Hals…, lies diese nicht los… Das Opfer kam nicht dazu zu schreien, oder sich gar zu lösen… Das Mädchen vom Kurs http://www.wt-nuernberg.jimdo.com Gewaltprävention, Selbstbehauptung, Selbstverteidigung, schrie laut und deutlich: Lassen Sie die Frau sofort los!! Ich hole die Polizei!! Dadurch wurde ein männlicher Passant aufmerksam, welcher die Polizei angerufen hat. Die Polizei kam und musste den Täter sogar etwas unsanft behandeln, da dieser der Aufforderung, das Mädchen los zu lassen nicht nach kam. Er wurde schließlich mitgenommen. Das 8 Jahre alte Mädchen ist unserer Meinung nach eine Heldin!! Da kann jeder sehen, was regelmäßiges Training bringt. Dies gilt für jedes Alter.
    Weitere Infos auf http://www.wt-nuernberg.jimdo.com
    Förderung der Kampfkunst & der Gesundheit
    Die Adresse für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Gewaltprävention.

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