Der „Geist“ des Karate

Das Training mit Hanshi Tamayose hat mich angeregt, wieder mal intensiver über die Wurzeln des Karate und meine „innere Haltung“ im Karate nachzudenken. Tamayose hat mir eine Widmung nach dem Training in den Ausweis als Kalligraphie geschrieben. Er sagte, es bedeute „erstes Herz“.Nun kann man Japanisch nicht einfach so übersetzen, es steckt immer ein Konzept hinter jedem 2013-07-16 21.11.27Schriftzeichen. Erstes Herz bedeutet:

Denke in jedem Training daran, welche Gedanken dich bei deinem ersten Karatetraining bewegt haben. Bewahre dir deinen Anfängergeist.

Die Wurzeln unseres Shotokan Karatestil (Tigerstil) hat Gishin Funakoshi (1868 – 1957) gelegt. Er gilt als Initiator des modernen Karate, Karate als Kampfsport. Ihm war der gesundheitliche Aspekt anfangs sehr wichtig, da er als schwächlich galt, er wollte mit Karate körperlich fitter werden.
Karate ist mehr als Sport – dieser Aussage werden viele zustimmen. Aber wir müssen heute, gerade als Trainer, deutlicher darauf achten, dass dieses „mehr“ auch im Training vorkommt. Dass nicht nur die richtige Ausführung der Technik, sondern auch die innere Haltung gelehrt wird. Dann wird Kampfsport zur Kampfkunst.

Dazu gibt es 5 Regeln oder Leitsätze:

  1. Betreibe das Karatetraining todernst.
  2. Trainiere sowohl mit dem Herzen als auch mit der Seele.
  3. Vermeide Eingebildetheit und Dogmatismus.
  4. Versuche dich selbst zu erkennen und das Gute der Arbeit anderer anzunehmen.
  5. Halte an den ethischen Regeln des täglichen Lebens fest.

Sicher, diese Regeln sind in einem anderen kulturellen Kontext entstanden. Aber auch wir in der westlichen Welt können die Haltung, die hinter den Leitsätzen steht auf uns, unseren Trainingsstil und vielleicht sogar unser Leben übertragen.
Wir müssen Übersetzungsarbeit leisten.

Für mich als Trainerin bedeuten diese Leitsätze:

  1. Nimm dein Training ernst, bereite es gut vor und halte die Karateka zum Trainieren an.
  2. Liebe deine Schüler und zeige es ihnen.
  3. Denk nicht, du bist etwas Besseres weil du einen schwarzen Gürtel trägst. Auch du warst Anfängerin.
  4. Wenn deine Schüler nicht die gewünschten Fortschritte zeigen, überlege wie du als Trainer dazu beitragen kannst.
  5. Respektiere deine Schüler und ihren Alltag.

Wenn ich diese Regeln beachte und sie vermittle, werde ich mir meinen Anfängergeist bewahren, weil ich demütig im positiven Sinne werde, und Kampfsport wird zur Kampfkunst.

(Ausführllichere Info zur Dojo-Etikette auf der Website meines Karatevereins.)

Ein Gedanke zu „Der „Geist“ des Karate

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