Zwischen Prüfungsangst und Motivation

Große Freude nach bestandener Prüfung

Große Freude nach bestandener Prüfung

Ich hatte ja nie Prüfungsangst. In der Schule war ich vor jeder Klassenarbeit, vor jeder mündlichen Prüfung die Ruhe selbst. Das ist kein Witz, ich weiß selbst nicht warum. Aber ich hatte eine innere Stimme, die mir sagte: „Du hast dich gut vorbereitet, was du jetzt nicht kannst, lernst du eh nicht in 2 Minuten!“
Als ich meine erste Karateprüfung mit 33 (!) Jahren machte, bin ich vor Angst fast gestorben. Obwohl es ja die unwichtigste Prüfung ist. Keine Schule, keine Berufsausbildung, nur Sport und trotzdem waren diese Prüfungen für mich, für meine Persönlichkeit immer eine Herausforderung. Trotzdem hat es funktioniert, dass zu Beginn der Prüfung nach dem „Oss!“ bei mir die Ruhe wieder einkehrte. Nur bis dahin, war ich ein Nervenbündel. Geholfen hat mir, die Freundlichkeit, der Respekt, die Geduld und Ruhe der Prüfer.

Du schaffst das, ich weiß es!

Jetzt war wieder Prüfungszeit und Sätze wie: „Malu, ich schaff das nicht – ich bin ja sooooo aufgeregt!“ höre ich mehrfach. Die Kinder (zwischen 7 und 10 Jahren) sind immer aufgeregt. Meine Antwort lautet immer, mit einem freundlichen Lächeln: „Du schaffst das, ich weiß es! Und du kommst zur Prüfung!“ Ich kann als Trainer aber nicht ganz einschätzen, ob diese Beteuerungen meinerseits helfen. Bisher ist noch jedes Kind zur Prüfung gekommen und alle haben bestanden. Leider vermuten die Kinder, dass die Prüfung fehlerfrei sein muss und machen sich selbst Stress. Es hilft ein bisschen zu sagen, dass sie in der Schule ja auch Klassenarbeiten bestehen und versetzt werden, obwohl sie Fehler machen. Trotzdem schauen sie mich immer sehr skeptisch an.

Nach der letzten Prüfung hat mir eine Mutter eines meiner Karatekinder eine Mail geschickt:

„… M. hatte große Prüfungsangst und wollte am liebsten nicht daran teilnehmen. Durch die geduldige und ruhige Art, mit der die Trainer und Prüfer auf die Kinder eingingen, konnte sie sich aber beruhigen …. Sie hat sich über die bestandene Prüfung sehr gefreut und ist nun wieder motiviert. Dafür möchte ich mich bedanken.“

Ich habe mich für die Mail sehr herzlich bedankt. Selten bekommen wir solche Rückmeldungen. Mir ist daran noch einmal deutlicher geworden, wie wichtig es für Kinder (und sicher für Erwachsene auch), dass sie spüren, sie werden respektiert; respektiert mit ihrer Angst, diese ernst nehmen und auf sie eingehen.
Solche Mails motivieren auch Prüfer und Trainer, denn wir arbeiten auch alle ehrenamtlich und freuen uns doppelt über den Erfolg unserer Karateka. Ihr Erfolg ist auch unser Erfolg.

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