Ich mach meine eigene Spielwiese auf!

Nichts ist langweiliger als ein Angriff, der ignoriert wird

Zufällig fiel mir heute ein Kindergartenfoto in die Hand und sofort war die Erinnerung an die Hänselei wieder da:

„Die Malu ist ne Brillenschlange! Die hat so ne dicke, hässliche Brille auf!“

Ja! Gerade Kinder-Brillen waren vor 50 Jahren potthässlich. Und ich hatte (und habe immer noch) sehr schlechte Augen. Heute gibt’s dafür Kontaktlinsen, aber damals… Also, diese „wunderbaren“ Gestelle mit meinen „Glasbausteinen“ drin… Potthässlich ist noch ein Kompliment… Keine Ahnung, warum mir das nichts ausgemacht hat, wenn die Kinder im Kindergarten und auf dem Spielplatz solche Nettigkeiten hinter mir her riefen. Ich hab’s immer ignoriert und stolz meine Brille getragen. Schließlich half sie mir zu sehen, denn ich war blind wie ein Maulwurf. Meine Eltern haben mir auch stets das Gefühl vermittelt, dass meine Brille etwas Besonders sei, sie mich einzigartig mache.

Die Kinder, die mich ärgern wollten, ließen bald von mir ab, zeigte ich doch nicht die gewünschte Reaktion. Ich wurde nicht wütend, ich reagierte gar nicht auf sie. Nach ein paar Wochen war das Thema durch. Ich hatte Ruhe, weil ich nicht mit auf deren Spielwiese ging.

Spielwiesen

Jeder, der andere ärgern will, macht eine Spielwiese für sich auf. Dort soll nach seinen Regeln gespielt werden. Nun werden „Mitspieler“ gesucht, nicht als Spielkameraden, sondern als „Opfer“. Aber ich entscheide auf welche Spielwiese ich gehe. Ich entschiede mit wem ich rede und wann.
In meinen Kinderkursen trainiere ich mit Kindern, wie man es aushält, einfach nicht zu reagieren. Für sie ist es meist ein Aha-Erlebnis. Und mir eine Freude, wenn sie beim nächsten Treffen berichten, dass es funktioniert, sie nicht mehr oder deutlich weniger gehänselt werden.

Das funktioniert auch bei Erwachsenen. Meetings sind oft auch nur mehrere Spielwiesen. Man wird „durch die Blume“ oder offen angegriffen, meist steigt man darauf ein, will sein Gesicht nicht verlieren. Aber in vielen Situationen kann ich reagieren wie ich will, ich werde Verlierer sein, weil ich „Opfer“ geworden bin.

Oberhand

Da ist der Kollege, der aus Prinzip immer anderer Meinung ist als ich, oder immer ein Argument (etwas unter der Gürtellinie) gegen meine sachlich vorgetragenen Argumente hat. Meinen Ärger schluck ich ein- oder zweimal runter, Wut staut sich auf und beim dritten Mal reagiere ich unwirsch, werde selbst unsachlich und muss mir noch anhören: „Wer wird denn gleich beleidigt sein, Frau Kollegin?“ Hm, und da sitz ich mit meiner Wut und kann nur noch verlieren.

Das nächste Mal stellt euch einfach vorher schon auf die Situation ein, ihr wisst ja, was auf euch zukommt. Und beim ersten Gegenargument, das wieder nur vorgeschoben ist, tief durchatmen, dem anderen tief in die Augen blicken und sagen: „Interessant, dass Sie das so sehen! Wie kommen Sie dazu?“ Oder „Dieses Argument hatte ich noch gar nicht im Blick. Können Sie mir erläutern, warum Ihnen das so wichtig ist?“ Und dann wird nach euren Spielregeln gespielt!

So eröffnet ihr eure eigene Spielwiese!

4 Gedanken zu „Ich mach meine eigene Spielwiese auf!

  1. Pingback: Aus Wut wird Mut – einfach mal Kopfstehen! | Basadai

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