„Das Schreispiel war doof!“

Das höre ich allerdings sehr selten als Kursfazit. Schreispiele machen meist Kindern Spaß, werden sie doch oft genug zur Ruhe ermahnt. Aber beim Gewaltschutzkurs für Grundschüler, der diese Woche zu Ende ging, beschwerten sie sich, dass sie hinterher heiser waren.
Es gibt schlimmere Fazits. Damit kann ich leben.

Vielen fragen mich: „Was machst du mit den Kindern in einem Gewaltschutzkurs?“ Hier eine kleine Übersicht:

Gefühle
Wie erkennen wir, was der Andere fühlt? Wie ist der Gesichtsausdruck zu welchem Gefühl, wie die Körperhaltung und der Gang? Man kann auch nicht alle Gefühle auseinanderhalten. Zum Beispiel sieht der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung sehr ähnlich aus, wenn ich wütend oder beleidigt bin; beides Gefühle mit unterschiedlichen Konsequenzen in einer Auseinandersetzung.

Fremde sprechen mich an
Gar nicht antworten, so tun, als habe man nichts gehört und einfach weitergehen. Ihr Kind hat das Recht zu entscheiden, mit wem es reden will. Wenn eine Situation oder ein Mensch „komisch“ ist, muss es sich dem nicht aussetzen.

Ich bin allein zu Hause
 Weder ans Telefon gehen, wenn es klingelt, noch die Tür öffnen, wenn es läutet; es sei denn, es ist mit den Eltern etwas anderes abgesprochen. Sollte ein Kind aus Neugierde (was normal ist) trotzdem ans Telefon gehen, sich nicht ausfragen lassen und ohne Worte oder mit den Worten: „Ich darf nicht mit Fremden reden!“ sofort auflegen. Sollte die Freundin oder der Freund erwartet werden in der Zeit, wenn Ihr Kind allein zu Hause ist, kann mit diesen ein besonderes Klingelzeichen verabredet werden.

Jemand will mich im Auto mitnehmen
Es kann immer passieren, dass ein Kind auf dem Nachhauseweg einem mehr oder weniger guten Bekannten trifft, oder dieser mit dem Auto neben ihm hält und anbietet „Ich fahr dich nach Hause!“ Ein sehr verlockendes Angebot, gerade bei schlechtem Wetter.

Mein Tipp: Es ist wichtig, dass das Kind genau weiß mit wem es fahren darf und mit wem nicht! Mache Sie eine Positiv-Liste. Darauf stehen alle, mit denen es mitfahren oder -gehen darf. Mit allen(!) anderen nicht.

Hilfe holen
Egal, ob es um eine Rauferei geht oder eine andere Situation, in der ein Kind helfend einschreiten will, es soll sich immer an die Pausenaufsicht (in der Schule) oder einen anderen „Großen“ in der Nähe wenden.
Sind andere Eltern nicht da, entweder schnell nach Hause laufen, oder wenn es ganz eilig ist, am nächstbesten Haus klingeln. Macht dort keiner auf oder die Menschen sind äußerst unfreundlich, einfach zum nächsten Haus oder Geschäft gehen. Hier kann Ihr Kind das Geschehene gerne etwas „dramatisieren“ damit die Angesprochenen verstehen, dass es wirklich ernst ist. Also z. B. „Ich brauche Hilfe, auf dem Spielplatz ist ein Kind ohnmächtig geworden /oder ein Kind blutet ganz schlimm!“

Körperliche Auseinandersetzung
Ich ermutige Grundschulkinder nicht zum Kampf. Sie werden in der Regel kein Erfolgserlebnis haben, wenn die Kontrahenten größer sind. Schon gar nicht wenn es Erwachsene sein sollten. Ein Kind wird in einer körperlichen Auseinandersetzung mit einem Erwachsenen kaum als Sieger hervorgehen können.
Trotzdem übe ich verschiedene Situationen, in die man immer wieder mal mit größeren Kindern geraten kann.

  • Jemand hält mich am Handgelenk fest
  • Jemand hält mich an der Schulter fest
  • Jemand hält mich von hinten fest
  • Jemand läuft hinter mir her

Wie das geht, kann ich nicht mit Worten beschreiben, das muss geübt werden, immer wieder!
Hier ist eine aktuelle Rückmeldung einer Mutter, deren Tochter gerade in diesem Kurs war:

Marion hatte heute sogar schon eine Situation in der Schule mit einer Mitschülerin, wo ihr eine bei Ihnen gelernte Abwehrbewegung hilfreich war! Sie meinte, „die hat vielleicht mal geguckt; mich dann aber in Ruhe gelassen!“

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