20 Jahre Karate: Auf dem Weg! (5)

2012 heißt für mich auch: 20 Jahre Karate. Deswegen die kleine Rückschau. Zum ersten Teil geht es hier entlang.

Es dauerte die errechneten fünf Jahre. Mit dem 3. Kyu (erster Braungurt) startete ich meine Trainerausbildung. Eine Investition an Zeit und viele neuen Erfahrungen. Ich musste umdenken. Machte ich bisher als Schülerin „nur“ die Techniken nach, die der Sensei mir zeigte und erläuterte, musste ich sie nun selbst so erklären, dass die Schüler verstehen, was genau ich von ihnen möchte. Das war gar nicht so einfach. Mein Vorteil war, dass ich im Verein gleich bei einem Trainer als Co-Trainerin mitarbeitete. Dort konnte ich das Gelernte gleich auf Praxistauglichkeit prüfen. Ich stellte fest, manchmal war ich anderer Meinung als mein Ausbilder 🙂 (Allein die Ausbildung zu beschreiben und aufzuarbeiten, würde einen weiteren längeren Blogbeitrag erfordern).

Ich war Trainerin

Der erste große Schritt war getan. Ich hielt stolz meine Trainerlizenz in der Hand. Damals hieß das noch Fachübungsleiter-C. Wenn ich an die ersten zwei Jahre meiner Trainertätigkeit zurückdenke, tun mir die „armen“ Kinder heute noch leid. Beide Seiten lernten voneinander, die Kinder von mir Karate und ich von den Kindern, wie ich es ihnen am besten beibringen kann. Das hat sich bis heute nicht geändert, jede Gruppe ist anders und oft braucht jedes Kind eine andere Ansprache. Mir macht es immer noch viel Freude, Karate zu lehren und ich erfahre oft genug, dass die Kinder gerne bei mir lernen. Grad vor Weihnachten kam eines zu mir (inzwischen Grüngurt) mit einer Groß-Packung Schokolade, um sich bei mir zu bedanken, dass er so viel lernen konnte. Das tut mir sehr gut!

Okay, ich war nun Trainerin! Was aber mit meinen weiteren Zielen? Wie sah es mit der Selbstverteidigung aus? Ich erfuhr, dass es eine Ausbildung zur Selbstverteidigungstrainerin für Frauen gab. Die war aber nicht richtig lizenziert, so wie ich mir das vorstellte. Und „nur“ für Frauen wollte ich ehrlich gesagt auch nicht! Warum sollte es da einen Unterschied geben, ob ich Männer oder Frauen in Selbstverteidigung unterrichtete?
Vom Verband bekam ich die Auskunft, es würde an einem Konzept einer lizenzierten Ausbildung gearbeitet, das würde aber noch dauern, bis das durch die Gremien und anderen Verbände genehmigt sei. Also, was tun?

Dann halt der 1. Dan

Der Entschluss stand fest, ich wollte warten, bis ich die lizenzierte Ausbildung machen konnte. Wie aber sich die „Wartezeit“ vertreiben? Dann mach ich halt mal den 1. Dan. Kann ja nicht schaden. Die Kinder fragten eh schon, warum ich braun und die anderen Trainer schwarz seien! Als Trainer sollte man schwarz tragen!

Im April 2006 war es dann so weit! Eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit hat es gekostet: viel Schweiß, viele gefahrene Kilometer zu Vorbereitungslehrgängen, zu Spezial-Trainings und oft auch ein schlechtes Gewissen, dass meine eigenen Kinder (inzwischen 12 und 16 Jahre) so oft abends ohne mich auskommen mussten. Aber ihr „Mama, wir werden stolz auf dich sein!“ tröstete mich.

Nun hielt ich mein Dan-Diplom in der Hand. Ich dachte: „Nie wieder diesen Stress! Jetzt bleibt ja eh alles schwarz.“ Aber ich war stolz, meine Kinder waren stolz, meine Karate-Kinder und mein Sensei auch! Direkt nach der Prüfung, als ich wusste, ich hatte bestanden, jubelte ein kleiner Teufel in meinem Kopf „Ätsch, du blöder Sportlehrer, diese unsportliche Malu hält gleich ihr Dan-Diplom in der Hand!“ Und ich streckte ihm die Zunge raus!
(Witzigerweise habe ich ihn 2 Jahre später auf einem Klassentreffen getroffen und ich konnte es mir nicht verkneifen, es ihm zu erzählen. Seine Antwort war „Respekt!“ – und das reichte mir!)

Endlich die Selbstverteidigungs-Ausbildung

Noch drei Jahre musste ich warten bis endlich die Ausbildung angeboten wurde. Mit „richtiger“ Lizenz! Die Ausbildung war hart. Drei hochdekorierte Karate-Sensei, zwei davon bei der Polizei, waren unsere Ausbilder. Und ich im Lehrgang mal wieder die Älteste. Ob ich das schaffen würde? Ich machte mir schon wieder Stress, lernte aber schnell, dass es bei der Selbstverteidigung nicht auf Athletik ankam. Dass Kraft nicht ausschlaggebend ist, wusste ich bereits.

Ich machte wieder die Erfahrung, mit den richtigen Trainern wächst man über sich selbst hinaus. Ich war fitter als ich dachte, überstand erstaunlich gut die Stress-Trainings, die einem wirklich an den Rand der Kräfte (physisch, wie psychisch) brachten. Bei den Rollentrainings hatte ich immer wieder Aha-Erlebnisse und ich hatte schon vor dem Kurs eine erste Anfrage, einen Selbstverteidigungskurs bei einer Jugendfeuerwehr zu halten. Das motivierte zusätzlich. Nach einer intensiven Woche im August 2009 bekam ich die Lizenz „Selbstverteidigungslehrer Stufe I“.

Ich mach‘s jetzt schnell:

  • Die 2. Stufe und damit den Erhalt der begehrten B-Trainer-Lizenz bekam ich im August 2010.
  • 2011 kam die Lizenz Gewaltschutztrainer Kinder und Jugendliche hinzu und
  • im Sommer 2012 der Gewaltschutztrainer Senioren.

Und seit Herbst 2011 spukte der Gedanke nach dem 2. Dan im meinem Kopf herum. Wollte ich nicht eigentlich nie wieder Dan-Prüfung machen? Aber alle anderen Trainer, bis auf einen frisch gebackenen, waren an mir vorbeigezogen, hatten mindestens den 2. Dan. ….

(Teil 6)

Ein Gedanke zu „20 Jahre Karate: Auf dem Weg! (5)

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