20 Jahre Karate: Es bleibt dabei! (4)

2012 heißt für mich auch: 20 Jahre Karate. Deswegen die kleine Rückschau. Zum ersten Teil geht es hier entlang.

Ja, mein Sensei hat es geschafft, mich die ganzen Jahre über bei „der Stange zu halten“. Karate war für mich nicht einfach zu erlernen. Jede neue Technik war eine Herausforderung. Anfangs nahm ich mir vor, Karate nur so nebenbei zu betreiben, ich wollte mich auf keinen Fall dem Stress der Gürtelprüfungen aussetzen. Ich wollte gar keine machen. Bis, ja bis mein Sensei nach einem halbem Jahr sagte: „Jetzt ist es soweit. Du machst deine erste Prüfung!“ Das klang nach „keine Widerrede“. Heute bin ich froh, dass er mich beim ersten Gürtel „zum Jagen getragen hat.“

Der Knoten war geplatzt

Voller Aufregung – ich erinnere mich noch ganz genau – stand ich bei meiner Weißgurt-Prüfung in der Halle. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Prüfungsangst. So etwas kannte ich nicht, weder bei Klassenarbeiten, noch beim Abitur oder der Führerscheinprüfung, ich war immer die Ruhe selbst. Aber jetzt? Ich war hektisch und musste ständig zur Toilette. Dabei ist es die unwichtigste Prüfung der Welt. Was passiert, wenn man durchfällt? Nichts! Einfach gar nichts passiert!
Die anderen waren genau so aufgeregt wie ich, das beruhigte mich etwas. Was soll ich sagen, ich bestand natürlich meine Prüfung. Ich war so stolz auf meinen weißen Gürtel, den ich ja schon vorher hatte (um den Anzug zusammen zu halten). Aber jetzt war erkämpft, mit Urkunde und Stempel im Pass.

Der Knoten war geplatzt. Es war klar, dass ich auch die nächsten Prüfungen machen wollte. Aber gemach und nicht mit Stress. Ich stellte fest Karate ist ein alltagstauglicher Sport. Das Körpergefühl bessert sich, mein Gang wurde tatsächlich aufrechter. Nicht, dass ich schief ging, aber ich wurde irgendwie gerader, weil sich meine innere Haltung änderte. Ein gutes Körpergefühl macht selbstbewusst und das strahlte ich aus.

Schritt für Schritt

Es gab verschiedene Stationen auf dem Weg der letzten 20 Jahre, Höhen und Tiefen. Zum Beispiel, kurz nach der Prüfung zum 7. Kyu (orange) hatte ich einen kleinen Trainingsunfall, nach dem ich 8 Wochen aussetzen musste. Danach stellte sich heraus, dass ich schwanger war (das hatte jetzt nichts mit dem Trainingsunfall zu tun 🙂 ) aber es bedeutete, dass ich eine wesentlich längere Pause einlegen musste als geplant, denn schwanger wollte ich nicht trainieren. Es wurden leider fast 3 Jahre Pause, denn ich hatte keinen Babysitter, da mein Mann kurz nach der Geburt des 2. Kindes aus beruflichen Gründen nur noch am Wochenende zu Hause war. Ich ging aber zu den „geselligen Terminen“, um den Kontakt zu halten.

Fast jeder im Verein dachte, ich würde nicht mehr aktiv beginnen. Aber ich stieg sofort wieder ein, als ich jemand hatte, der Abends für die Kinder da sein konnte. Die Pause war sportlich ein Rückschlag. Gefühlt, fing ich auf dem Niveau eines Gelbgurtes an. Und ich brauchte fast ein Jahr, um wieder auf dem Stand zu sein. Ein weiteres Jahr später belohnte ich mich mit dem 6. Kyu (grün). Was für eine Freude, wenn die Gurtfarben dunkler werden!

Ein ganz spezieller Lehrgang

Mit Grüngurt meldete ich mich zu einem Selbstverteidigungs-Lehrgang für Frauen an. Die Trainerin hat mich sehr beeindruckt und damals entstand tief im Hinterkopf die Idee Selbstverteidigungs-Trainerin zu werden. Nicht nur ihre Techniken und ihre Art, uns zu lehren, wie wir uns überzeugend wehren können haben mich beeindruckt. Sie strahlte so viel Liebe und Überzeugung in unsere Fähigkeiten aus, dass ich bezüglich meines Könnens über mich hinaus wuchs. Sie verstand es, mir nur mit Blicken und einem Lächeln zu sagen „Auf, du schaffst das, du kannst das noch besser, schnelle und härter!“ und es funktionierte. Nach diesem Lehrgang war klar: wenn ich will, kann ich alles, auch wenn ich zu den Oldies gehöre!

Ich machte mich schlau, was ich alles an Voraussetzung für die Trainer-Ausbildung brauche. Denn die Grundausbildung brauchte ich, um die Selbstverteidigungsausbildung zu machen. Es schien zuerst fast unerreichbar: noch vier Gürtelprüfungen und dann kann ich beginnen. Die Ausbildung sollte über 10 Wochenenden über ein Jahr verteilt gehen, mit vielen Zwischen- und einer umfangreichen Abschlussprüfung. Hochgerechnet sollte das noch fünf Jahre dauern!

(Teil 5)

Ein Gedanke zu „20 Jahre Karate: Es bleibt dabei! (4)

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