Karateprüfungen sind aufregend – auch für Eltern!

Wer kann diesem Jubel widerstehen?

Die Kinder fiebern ihr entgegen: der ersten Karateprüfung. Sie freuen sich drauf, nach einem halben Jahr anstrengendem Training endlich ihr Können unter Beweis zu stellen. Gleichzeitig ist es aufregend und sie haben Angst. Denn die beiden Prüfer sind nicht ihre Trainer. Zwar trainieren die Prüfer auch mal meinen Kurs, wenn ich verhindert bin und so lernen sie die Kinder kennen und umgekehrt, trotzdem ist Prüfung immer etwas Anders. Und oft sind die Eltern aufgeregter als die Kinder.

Schon ungefähr drei Wochen vorher häufen sich die Anrufe bei mir, Fragen nach den Prüfungsinhalten werden gestellt und nach Formalia. Nach jedem Training kommt mindestens ein Kind:

„Malu kannst du mir noch mal den Gyaku Tsuki zeigen?“ „Wie geht das mit dem Knie beim Mae Geri?“ oder „Zeig mir doch noch mal die große Wendung in der Teikoku Shodan?“

24 aufgeregte Kinder stürmen die Halle

Gestern war es wieder einmal so weit: 24 aufgeregte Kinder stürmten in die Halle und auf mich zu „Ich bin schon sooooo aufgeregt. Ich hab Schmetterlinge im Bauch!“ usw. usw.  Sie waren kaum zu bändigen, trotzdem versuchte ich die Prüfungsliste anzulegen, die Gebühr einzusammeln und die Ausweise zu sortieren, damit es schnell losgehen konnte.

Da kam eine Mutter auf mich zu und sagte: „Michi macht keine Prüfung!“ Ich: „Oh, ist er krank?“ – „Nein, er glaubt, er kann es nicht!“ Ich: „Klar, kann er das. Michi macht Prüfung! Mit allen anderen zusammen. Er kann das!“ – „Aber wenn er doch nicht will?“ Die Mutter drehte sich rum und ging.  Als Michi mit seinem Freund vor mir stand, sagte ich ihm: „Du machst heute Prüfung, mit allen anderen und deinem Freund!“ Er nickte und verschwand.

Was soll ich sagen? Michi hat eine gute Prüfung abgelegt und war stolz auf sich. Die Mutter hat nicht zugeschaut. Sie kam pünktlich nach Ende der Prüfung, um ihren Sohn, von dem sie dachte, dass er nur zusehen wollte, abzuholen. Ich ging ihr entgegen und berichtete: „Michi hat eine gute Prüfung gemacht!“ Sie schaute mich völlig konsterniert an, lächelte zart und sagte nichts!

Und wenn ich sie so strahlen und jubeln sehe, wie auf dem Foto oben, kann ich nur sagen: Eltern traut euren Kindern was zu, sie sind stark!
(Und wenn ich diese Gesichter sehe, weiß ich immer wieder, warum mir das Training so viel Spaß macht!)

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