Kinder und Persönlichkeitsbildung – Gewaltschutzkurs (2)

„Sei dein eigener Schutzengel“ geht in die 2. Runde

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Seit September 2011 biete ich im Rahmen des Ganztags-Programmes einer Schule in Friedberg/Hessen einen Gewaltschutzkurs für Grundschüler an. Ich war erst skeptisch, ob es den Kindern nicht langweilig wird,  jede Woche 1,5 Stunden einen solchen Kurs zu besuchen und ob ich ihnen auch genug Abwechslung bieten konnte. Doch am Ende des Kurses wurde ich eines Besseren belehrt. Im 2. Halbjahr wurde der Kurs neu ausgeschrieben und es meldeten sich diesmal 18 Kinder aus der 3. und 4. Klasse an (im September waren es 11), vier davon waren beim ersten Kurs schon dabei. Ich finde, das spricht für den Kurs und meine Art, den Kurs zu leiten.

Ziel ist es: Kinder in ihrer Persönlichkeit zu stärken, selbstbewusst zu machen, damit sie potentielle Gefahrensituationen rechtzeitig erkennen können und kompetent darauf reagieren lernen. Dabei war es von Vorteil, dass vier Kinder im ersten Halbjahr dabei waren, so hatte ich kompetente Teilnehmer, die ich auch manchmal in Rollentrainings als „Co-Trainer“ einsetzen konnte.

Methoden des Kurses

Rollentrainings sind gut geeignet, eine Situation aus unterschiedlichen Perspektiven selbst zu erfahren. Die Kinder „spielten“ einmal den Aggressor, den Angegriffenen, mal an der Situation Beteiligte und mal Beobachter. Sie schulten so ihren Blick auf die Situation und entwickelten „Verständnis“ für die unterschiedlich Agierenden.

Geübt wurde unter anderem:

  • auf die eigenen Gefühle zu hören.
  • mit Angst umzugehen
  • gute und schlechte Gefühle zu erkennen
  • Körpersprache, Mimik, Körperhaltung, Stimme richtig einzusetzen
  • die eigene Meinung klar sagen
  • „Ja“ und „Nein“ deutlich zu sagen
  • die entstehenden Spannungen auszuhalten
  • sich vor aggressivem Verhalten zu schützen
  • richtig zu helfen und Hilfe zu holen

Konkret wurde dies zum Beispiel in folgenden Situationen umgesetzt:

  • Was tue ich, wenn mir größere Kinder/Jugendliche auf dem Schulweg den Weg versperren, oder mir etwas abnehmen wollen?
  • Wo kann ich auf dem Schulweg Hilfe holen? Wo sind „Rettungsinseln“?
  • Wie kann ich jemanden in einer „brenzligen“ Situation helfen?
  • Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich gemobbt werde?
  • Wie reagiere ich am Telefon oder an der Türklingel, wenn ich allein zu Hause bin?
  • Wie verhalte ich mich, wenn mich Fremde ansprechen?

Gerade zum letzten Punkt  musste ich feststellen, dass alle (!) 18 Kinder damit schon Erfahrungen gemacht haben. Alle sind entweder in der Stadt beim Einkaufen, auf dem Schulweg oder auf dem Spielplatz schon von Fremden angesprochen worden. Und alle dachten, sie MÜSSTEN Antwort geben. Es war für sie eine neue Perspektive zu erfahren, dass sie mit Fremden nicht reden müssen. Es reicht, sie zu ignorieren und wegzugehen, oder laut und deutlich zu sagen „Ich darf mit Fremden nicht reden!“ und dann weitergehen.

Mein Fazit

Es war schön, dass die Kinder mir  so viel Vertrauen schenkten, und mir auch nach dem Kurs Situationen schilderten, die ihnen „komisch“ vorkamen. Diese habe ich abgewandelt in der nächsten Stunde ins Rollentraining übernommen.
Die Kinder sind selbstbewusst aus dem Kurs gegangen. Es wäre wünschenswert, solche Kurse regelmäßig an Grundschulen durchzuführen, am besten im Klassenverband.

Verwandte Artikel:
http://www.basadai.de/2011/11/20/kinder-und-personlichkeitsbildung-gewaltschutzkurs/
http://www.basadai.de/2012/06/04/mir-wird-einiges-vom-erlernten-einfallen/ 

Werbung in eigener Sache: Kursausschreibung.

 

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