20 Jahre Karate: Das unsportliche Kind (2)

2012 heißt für mich auch: 20 Jahre Karate. Deswegen die kleine Rückschau. Zum ersten Teil geht es hier entlang.

Es ist gar nicht so einfach mit der Rückschau, so vieles fällt mir wieder dazu ein.
Karate ist mir nie wirklich leicht gefallen, ich hab mir alles mit viel Spaß hart erarbeitet. Vielleicht ist das der Schlüssel zum Erfolg  – ja, ich betrachte es als Erfolg für mich, obwohl ich mich nie in offiziellen Wettkämpfen gemessen habe. Ich erlebe immer wieder, dass Karateka, denen es nicht „zufällt“ meist dabei bleiben, während diejenigen, die leicht und schnell lernen, oft auch schnell die Lust verlieren.

Die unsportliche Schülerin

Sport im klassischen Sinn, wie auch der Unterricht in der Schule, haben mir nie wirklich Spaß gemacht. Ich war schon immer etwas pummelig und konnte die Anforderungen meist nicht erfüllen. Ich war froh, wenn ich die Note 3 in Sport bekam. Während der ganzen Schulzeit, bis zum Abitur quälte ich mich durch den Unterricht. Die Bundesjugendspiele waren für mich immer eine besondere Pein. Da wurde auch noch akribisch dokumentiert, was für eine Niete ich war. Geräteturnen war ein Graus, ich hatte Höhenangst auf dem Stufenbarren, blieb einmal hängen und fiel runter, das gab mir den Rest, da wollte ich nie wieder rauf. Bockspringen? Meine Güte ich kam nie drüber!
In der Oberstufe im Gymnasium wurde alles nur noch schlimmer. Wir bekamen einen Sportlehrer, der Leichtathletik-Fanatiker war. Er trainierte zusätzlich die deutsche Olympia-Mannschaft. In seinen Augen waren wir alle Versager, wenn wir nicht halbwegs an die Leistungen seiner Nachwuchssportler kamen. Und ich? Weitsprung: über 1,20m bin ich nie rausgekommen; im Hochsprung auch nicht mehr. Sprinten? Was ist sprinten? Hürdenlauf? Drumrum ist besser. Kugelsstoßen? Ja, die fielen mir auf die Füße!

Seltsam, was aber sehr gut funktionierte war: Tanzen, Jazzballett und Reiten (trotz Höhenangst!). Vielleicht lag es daran, dass dies Herausforderungen waren, denen ich mich selbst und freiwillig stellte und niemand mit einer Messlatte daneben stand, Leistungen gemessen und bewertet hat, anhand einer Skala, die man erfüllen musste. Beim Tanzen und Reiten, war ich meine eigene Skala, mein Körpergefühl wurde besser, ich traute mir etwas zu. Meine Fortschritte konnte ich selbst bemerken und mein Tempo bestimmen.

Der Wendepunkt

Ein Schlüsselerlebnis war die Sport-Abi-Prüfung meiner besten Freundin. Sie wollte eine Tanzkür vorführen und brauchte eine Partnerin. Natürlich war ich das, weil wir seit Jahren zusammen in der Jazz-Tanzgruppe waren. Wir legten eine furiose Kür hin. Die Vorbereitung hat so viel Spaß gemacht. Unsere Tanzmusik war „I can’t stand the rain“ von Tina Turner. Ich kann heute noch Teile der Kür tanzen, wenn ich das Lied höre…
In der Prüfung tanzten wir wie auf Wolken, es war phantastisch und lief hervorragend. Mir war es wurscht, wer in der Prüfungskommission saß (ich hatte ja keinen „Druck“). Hinterher bemerkte ich, dass dort mein verhasster Sportlehrer dabei saß. Meine Freundin bekam natürlich die gewünschte 1.
Und ich wusste, dass ich eh meine 4 bekommen würde, weil wir mal wieder nur Leichtathletik gemacht hatten. Aber – und nun kommt die Überraschung: eben dieser Lehrer kam zwei Tage nach dieser Prüfung auf mich zu und sagte: „Du warst phantastisch. Das hätte ich dir nie zugetraut. Ich entschuldige mich. Ich sehe, dass Leichtathletik und der übliche Schulsport nicht deines ist – und im Übrigen habe ich deine Abisportnote noch auf eine 3 angehoben.“
Mir hat es so die Sprache verschlagen, dass ich mich kaum bedanken konnte. Er hatte Größe gezeigt – Respekt!

Aber das war der Punkt, an dem ich ein anderes Verhältnis zu Sport und meinen Leistungen bekommen habe.

(Teil 3)

5 Gedanken zu „20 Jahre Karate: Das unsportliche Kind (2)

  1. Pingback: Faszination Karate – Wie alles begann (1) - Basadai

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