Kinder und Persönlichkeitsbildung – Gewaltschutzkurs (1)

Starke Kinder – starke Persönlichkeiten (© wildworx – Fotolia.com)

Seit September biete ich im Rahmen des Ganztags-Programmes einer Schule ein Gewaltschutzkurs für Grundschüler an. Ich war erst skeptisch, ob es den Kindern nicht langweilig wird, ein halbes Jahr lang jede Woche 1,5 Stunden einen solchen Kurs zu besuchen und ob ich ihnen auch genug Abwechslung bieten konnte. Zur Halbzeit will ich ein kleines Fazit ziehen. Der Kurs heißt: „Sei dein eigener Schutzengel“ –  der Titel ist bei Kindern wie bei Eltern gut angekommen.

Ziel des Kurses ist es: Kinder stark zu machen, selbstbewusst zu machen, damit sie potentielle Gefahren rechtzeitig erkennen können und kompetent darauf reagieren lernen. Sie lernen:

  • auf die eigenen Gefühle zu hören.
  • mit Angst umzugehen
  • gute und schlechte Gefühle zu erkennen
  • Körpersprache, Mimik, Körperhaltung, Stimme richtig einzusetzen
  • die eigene Meinung klar sagen
  • „Ja“ und „Nein“ deutlich zu sagen
  • die entstehenden Spannungen auszuhalten
  • sich vor aggressivem Verhalten zu  schützen
  • richtig zu helfen und Hilfe zu holen

Mir ist dabei wichtig, dass die Kinder in sportlichen Spielen erfahren, es macht Spaß sich zu bewegen, das macht mich stark und ich kann was. Nebenbei schulen diese Spiele, Kooperation, Koordination, Reaktion, Spontaneität, Intuition, und vieles mehr.
In den Rollentrainings werden verschiedene Situationen „durchgespielt“, die gefährlich werden könnten und mit den Kindern unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten besprochen und gespielt. Es gibt nicht „die Lösung“, nur „funktioniert oder funktioniert nicht“, trotzdem sind einige Vorgaben für das Verhalten wichtig. Die müssen vermittelt werden.
Ein wichtiger Teil ist, zu üben, wie man richtig Hilfe holt, denn das ist sehr schwierig. Gerade weil Erwachsene dazu neigen, nicht richtig hinzusehen und eine bedrohliche Situation schnell als „Naja Kinder! Die raufen halt gerne!“ abtun.

Ich stelle fest: Gewaltschutzkurse dienen der Persönlichkeitsbildung

Meine Beobachtung bis jetzt:

  • Die Kinder gehen miteinander respektvoller um
  • Sie reden über ihre Gefühle, wenn ein anderer aus dem Kurs etwas Unbedachtes sagt
  • Sie helfen sich gegenseitig
  • Sie sagen untereinander freundlich aber bestimmt „Nein“
  • Sei „erfinden“ selbst Situationen, die sie als Rollentraining üben möchten

Wenn dann eine Mutter beim Abholen zu mir sagt: „Felix hat heute Geburtstag, aber er will erst morgen feiern, damit er den Kurs nicht verpasst!“ Dann bekomme ich fast feuchte Augen und es zeigt mir, dass die Kinder und ich auf dem richtigen Weg sind.

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