Autofahrerpsychologie – Vollsperrung auf der Autobahn

Wenn der Radiosender nur eine einzige Minute früher was gemeldet hätte, wäre ich drumrum gekommen – also um die Vollsperrung. Dann hätte ich abfahren und eine andere Strecke nehmen können. Aber okay, schon mein Oppa sagte: „Hätt‘ der Hund ned geschissen, hätt‘ er den Has‘ bekommen!“ Nach 35 Jahren Führerschein darf man auch mal in seine erste Vollsperrung rasen. Keine Bange, ich schaffte es noch pünktlich zu bremsen!

Gut, dass ich es nicht eilig hatte, es war egal, wann ich am Ziel angelangen würde. So beobachtete ich fasziniert, was um mich rum passierte. Schade, dass es schon dunkel war und ich nicht fotografieren konnte… Als wir noch ein wenig vorankamen, haben viele versucht über die Standspur zu fahren. Schwierig wurde es, als 3 großes Feuerwehrfahrzeuge und 3 ebenso große Krankenwagen versuchten sich durchzuschlängeln, Standspur dicht – da war Millimeterarbeit gefragt. So 5 Minuten nachdem die durch waren und nichts mehr ging, haben die ersten ihren Motor abgestellt. Es ist ein komisches Gefühl nachts auf der Autobahn, der Gegenverkehr rauscht erleuchtet schnell vorbei und auf der eigenen Seite Autos dunkel und irgendwie seltsam still.

Bis, ja bis die ersten ausstiegen und ins Nichts starrten. Also vom Unfall war nichts zu sehen. Später war klar es waren noch ca. 1,5 km bis zum Unfall und hinter mir ca. 14 km Stau (dann doch im Verkehrsfunk). Die ersten, die ausstiegen waren die Raucher, die sich lauthals unterhielten. Einer regte sich besonders auf, ein fetter Audi-Fahrer (also Auto und Fahrer). Er musste aber einsehen, dass keine Rücksicht auf fette Audi-Fahrer genommen wurde. Was für eine ungerechte Welt! Ich dachte, er kippt gleich um vor Wut. Er hatte seine Scheinwerfer voll aufgeblendet, um sehen zu können, dass er nichts sehen konnte. Als er das begriff, hat er uns mit Musik beschallt. DJ Ötzi wäre erfreut gewesen.

Nach weiteren 5 Minuten Kindergeschrei „Was issn looooos? – Wann sind wir daaaahaaa? – Papaaaaa, ich musssss maaa?“ OMG, ich hatte heute nach 2 Kindertrainingseinheiten genug Kindergeschrei. Gut, nun war es  nach DJ Ötzi und Kindergeschrei soweit, dass ich meine MP3-Player auspackt, weil ich hatte mein Auto komplett ausgemacht, keine Zündung an, keinen Scheinwerfer, kein Radio, weil das ja dann auf die Batterie geht. Hab ich mal gelernt. 🙂

Nach 20 Minuten sind die ersten Autofahrer mutig schon mal „nach ganz vorn gegangen“. Klingt irgendwie nach Abenteuer, fremde Welten erkunden. Wir trauen uns was und laufen mal ganz nach vorn – wo immer das auch sei. Raumschiff Enterprise lässt grüßen. Wahnsinn, ein Deutscher verlässt sein Auto und lässt es einsam und allein auf der Autobahn stehen. Der Audi-Fahrer lies sein Auto mit Festbeleuchtung und Musikberieselung für ne ganze Disko stehen… Und irgendwann war es aus. Also das Auto.

Uuuund dann kamen die ersten aufgeregt und wedelnd zurückgelaufen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass es wieder weiterging. Ich startete mein Auto und nach einer Minute ging es weiter, um gleich wieder zu stoppen! Was war das? Ich muss immer noch laut lachen, wenn ich mir die Szene vor Augen führe. Der Audi stand stumm auf der mittleren Spur mit Warnblinker an –  rien ne va plus. Nichts ging mehr! Der Audi stand, der Fahrer fluchte.

Es gibt noch Gerechtigkeit auf dieser Welt! 

 

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