Wann ist genug genug?

Oder: Aufgeben tut man nur einen Brief

Sätze wie „Du hast’s nur noch nicht genug versucht!“ oder „Versuch’s fester!“ oder „Streng dich mehr an!“ haben mich erzogen, hartnäckig Ziele zu verfolgen. Obwohl ich mir das manchmal nicht eingestehe, weil ich immer denke, wenn was nicht so läuft wie ich es gerne hätte, ich hab’s noch nicht genug versucht und mir deswegen Faulheit unterstelle (ich also noch hartnäckiger sein muss).

Ich bin aber wohl doch hartnäckig, denn trotz schlechter sportlicher Prognose eines Sportlehrers in der Schule („Du bis einfach zu unsportlich“) bin ich seltsamerweise seit 20 Jahren dem Karate verfallen, Trainerin geworden, habe die Danprüfung bestanden und noch eine Selbstverteidungs- und Gewaltschutztrainer-Ausbildung gemacht. Weil ich ja so unsportlich bin.

Aber kommen wir wieder zu der doch ernst gemeinten Frage zurück. Wann ist’s genug mit dem Genug? Die Frage geht in unterschiedlichen Aspekten schon Jahre mit mir um, Freunde wissen das und letzte Woche war’s wieder soweit, bei einem Telefonat mit einer Freundin standen diese Fragen erneut im Raum:

  • Wenn es genug genug ist, muss ich es dann aufgeben, oder einfach damit aufhören?
  • Ist aufhören nicht auch aufgeben?
  • Ist aufgeben nicht scheitern?
  • Oder ist es einfach fertig, wenn ich aufhöre?
  • Wann ist aufgeben/aufhören kapitulieren, wann ist es scheitern?

Stellen wir uns mal vor, da gibt es eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt. Ich setze alles dran, damit es zum Erfolg wird, aber es funktioniert einfach nicht, irgendwas kommt immer kurz vor dem Ziel dazwischen. Ist das nicht ein Zeichen, dass ich die Finger davon lassen sollte? Nur wie viel mal muss kurz vorm Ziel was dazwischen kommen, damit ich weiß, dass ich die Finger davon lassen sollte? Und wenn ja, was will mir das sagen? Und überhaupt?

Stellen wir uns mal vor da gibt es einen Menschen, den wir immer sehr gerne gehabt haben. Dieser Mensch hat sich weiter entwickelt im Laufe der Jahre, wie ich auch. Die Entwicklungen drifteten in verschiedene Richtungen. Das passiert im Leben. Wenn ich mich nun bemühe, den Kontakt, die Beziehung zueinander aufrecht zu erhalten, aber nichts vom anderen entgegenkommt und es mir dabei nicht gut geht, was dann? Muss ich versuchen besser zu verstehen, oder loslassen und die Beziehung aufgeben? Also doch aufgeben? Woran merke ich, dass es genug ist? Wie lange muss ich es versuchen, bis ich weiß, dass es genug ist?

Hartnäckigkeit kann mir im Weg stehen, kann mich zu lange an Dingen, Projekten und Menschen festhalten lassen, die mir nicht mehr gut tun. Einfach mal loslassen ist einfach gesagt. Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Woran merke ich, dass es nicht mehr Hartnäckigkeit ist, sondern, dass ich mich verrannt habe?

 

2 Gedanken zu „Wann ist genug genug?

  1. Hallo Frau Behüter(in) wolliger Nutztiere, (Du armes Ding)
    glücklich ist wer vergisst was nicht mehr zu ändern ist. Das stimmt. Wenn Du glücklich werden willst vergiss ihn. Der Rest passiert dann per Zufall. Frag Bärchen oder Deine sogenannten Frreunde…
    LG Schäfchen

  2. Ich, Persönlichkeitscoach, schreibe gerade ein Buch: „Ich übe, also bin ich!“ und ein Kapitel handelt von der Frage: Dran bleiben? Aufhören? Was ist wann dran?

    Bei dieser Suche bin ich grad auf Ihren Blog hier gestoßen.

    Wenn wir nicht wissen, ob wir ‚loslassen‘ oder ‚festhalten‘ sollen oder wollen, hat das ja erst mal was Gutes: wir entscheiden uns nicht, oder meinen uns nicht entscheiden zu können mit dem Ergebnis: Dass alles so bleibt wie es ist. und bekanntlich gehen die meisten nach der Devise vor: Das bekannte Unglück ist immer noch vertrauter als das unbekannte Glück.

    Die Kunst ist herauszufinden – oder eher herauszuFÜHLEN: Kann ich den Spatz in der Hand loslassen – ohne dass die Taube auf dem Dach auch nur ansatzweise in Sicht ist?
    Wenn ja, was kann ich im Voraus bedenken, wie ich mit dieser „Leere-Situation“ umgehen werde? Perfekt, und das ist der Anspruch vieler, kann und muss man nicht damit umgehen.
    Neue Lebens-Übungsfelder wie ich das nenne, da sind wir halt anfangs alle Stümper – und lernen und wachsen und reifen. Durch Versuch und Irrtum und Erfahrung.

    Es gibt viele Möglichkeiten herauszufinden, was dran ist. Dafür gibt’s ja demnächst u.a. mein Buch :-). Eine, die ich sehr liebe, ist die KOPFSTAND-Methode. Mann/frau fragt sich:
    Was muss ich tun, damit alles so bleibt wie es ist – oder gar noch schlimmer wird?

    Das bewirkt in einem ersten Schritt die Erkenntnis, dass wir uns auch dafür entscheiden können, alles beim Alten zu lassen – und die Preise dafür klarer sehen.
    Oder wir versuchen PROBEweise mal ein kleines Schrittchen in eine andere Richtung zu gehen – und schaun was passiert.

    Das auf die Schnelle und grad mal zwischendurch.
    Herzliche Grüße
    Maria Ast

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