Vor dem Zuschlagen findet eine „Entmenschlichung“ statt

Nur nicht provozieren lassen (© Mat Hayward - Fotolia.com)

„Typisch für Konflikte in der Öffentlichkeit ist das gegenseitige ‚Aufschaukeln‘. Wir kennen das alle, ein Wort gibt das andere und wir werden immer lauter.“ Ein Polizeihauptkommissar a.D. gab beim Verbandstag des Hessischen Karateverbandes einen Überblick wie Konflikte zwischen zwei oder mehreren Menschen in der Öffentlichkeit zustande kommen. Die Teilenehmer nickten zustimmend, schließlich kennen wir die Verhaltensweisen aus ganz normalen Streitigkeiten in der Familie oder zwischen Freunden.

Menschen, die in der Öffentlichkeit einen Streit beginnen, sind auf „Streit eingestellt“. Der Täter „beschließt“, dass jemand sein Normengerüst missachtet und provoziert einen Konflikt. „Ursache“ sind Nebensächlichkeiten,  der andere macht nicht genug Platz (an engen Durchgängen), guckt komisch oder hat einem den Parkplatz geklaut, oder oder oder… Gründe finden sich immer, wenn jemand Streit haben will.

In der Öffentlichkeit bedeutet ein „Beigeben“ immer ein Gesichtsverlust und Machtverlust einer der beiden Parteien. Ich will hier nicht ausführlich auf  das Zustandekommen von Konflikten und wie diese bereinigt werden können eingehen, darüber müsste ich ein Buch schreiben. Jedoch ein oder zwei  Aspekte schildern, die wir zwar kennen, aber nicht aus der „Täterperspektive“.

Vor einem körperlichen ‚Übergriff findet eine „Entmenschlichung“ statt, heißt der Täter beleidigt sein Opfer. Erstmal, indem er vom „Sie“ auf das „Du“ wechselt. Denn ein „Sie“ bedeutet Respekt, mit „Du“ kann er leichter beleidigen. Mit dem „Du“ geht gleich die Beleidigung einher und die Parteien (ob zwei Personen oder zwei Gruppen) schaukeln sich mit „Argumenten“ hoch. Der Täter nimmt jedes Argument des anderen als Beleidigung und Rechtfertigung selbst weiter zu beleidigen – der andere ist „schuld“! Jeder „übertönt“ den anderen, wird immer lauter.

Mit dem Schreien geht das Aufeinanderzugehen einher.  Die „öffentliche Distanz“ von Menschen, die sich nicht kennen liegt bei mindestens 1,5m Abstand voneinander, mit dieser Distanz fühlen wir uns bei Fremden noch einigermaßen sicher, da frag ich nach dem Weg oder anderen Dingen, wenn ich unterwegs etwas wissen möchte. Bei Konflikten wird dieser Abstand systematisch unterschritten und sich drohend vor dem anderen aufgebaut. Wenn der Täter auf Intimdistanz geht (unter 1m) , fällt ihm die Beleidigung noch leichter und er kann schneller zuschlagen. Wenn es soweit ist, ist eine Deesakaltion kaum mehr möglich Das „riecht“ nach einer Schlägerei!

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