Gewaltschutztrainer-Fortbildung, Tag 2

Oder: Schweigen ist Silber, Reden ist Gold!

Heute im Programm: Gefühle zeigen und Gefühle interpretieren. Es ging darum, Gefühle „richtig“ zu zeigen, also nicht zu Lachen, wenn uns zum Weinen  zumute ist. Es ist auch nicht einfach, Gefühle anderer zu interpretieren, selbst von Menschen, die wir gut kennen.

Versucht mal den Unterschied zwischen Trauer und Wut aus einem Gesicht herauszulesen, oder zwischen Wut und einem sehr konzentrierten Gesichtsausdruck. Können wir Freude von Übermut unterscheiden, oder auch Wut von Panik? Alles verschiedene Gefühle, die vom Gesichtsausdruck nahe beieinander liegen.

Oft Lachen wir aus Unsicherheit. Wir werden „dumm“ angesprochen, wissen nicht wie wir darauf reagieren sollen und lachen erst einmal. Dieses Muster ist tief in unserem Hirn verankert, weil Lachen ein positives Gefühl schafft und wir gerne eine positive Atmosphäre herstellen wollen. In einer Übergriffssituation ein völlig falsches Signal!

Wir müssen lernen, die Gefühle zu zeigen, die wir wirklich spüren. – Und nur zu Lachen, wenn uns nach Lachen zumute ist! Das fällt uns schwer, weil dies uns zum Teil systematisch ab-erzogen wurde. Aber wir müssen lernen, zu zeigen, wenn wir uns unwohl fühlen und danach auch zu handeln. Und das Gegenüber muss lernen, diese Gefühle zu akzeptieren. Da darf die Oma nicht böse sein, wenn der Enkel ihre „nassen“ Küsse nicht will – das sollte sie akzeptieren.

Ein weitere Schwierigkeit ist, Gefühle von Fremden richtig zu interpretieren. Ich wage zu behaupten, dass mehr als die Hälfte von Streitigkeiten und Auseinandersetzungen aufgrund falsch verstandener Gefühle entstehen oder auch eskalieren. Es gibt ein einfaches Mittel, Missverständnisse so weit wie möglich auszuräumen: Reden! Fragt einfach beim anderen nach, wie er die eine oder andere Meinungsäußerung oder Aussage gemeint hat, wie sein Gesichtsausdruck zu verstehen ist. Vielleicht merkt er ja gar nicht, dass man ihn anders interpretieren kann.

Mich fragte mal ein Kollege, warum ich immer so böse schauen würde, wenn wir in Kundenmeetings sind. Ich war sehr erstaunt, meinte ich doch nie böse zu gucken. Nach Fragen und Rückfragen fanden wir heraus, dass ich voll konzentriert zuhöre und dabei mein Gesichtsausdruck von Dritten als „böse“ interpretiert werden kann. Das musste ich abstellen, es ist einem (potenziellen) Kunden gegenüber ein fatales Zeichen in einem Meeting, wenn es um seine Probleme geht böse zu gucken.

Schon mein Großvater sagte: Musst reden mit den Leuten – dann kommst mit ihnen ins Gespräch! Deswegen: Reden ist Gold! Reden! Reden! Reden!

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