Karate-Kids und Prüfungen

Oder: die erste Prüfung ist die schwerste

Und wieder ein Karate-Kurs beendet – was sage ich – es waren zwei in diesem Jahr. Zwei Anfängerkurse, einmal die 7 bis 9-jährigen und einmal die 10 bis 14-jährigen Kinder. Zweimal ganz verschiedene Anforderung an mich als Trainerin, nicht nur auf das Lehren von Karate-Techniken bezogen sondern auch darauf, den Kindern Freude am Bewegen, an Karate zu vermitteln.

Ich sehe mich als Vorbild, ich muss meine Begeisterung für den Sport so zeigen, dass der Funke überspringt. (Eines vorweg, es hat nur bei einem Kind von insgesamt 38 nicht funktioniert, ein guter Schnitt, würd ich sagen.) Wenn ich nicht „brenne“ wie können es meine „Lehrlinge“?

Als Trainerin bei den Bonsais, also die “ ganz Kleinen“ bin ich auch schon mal Mutterersatz. Eine 7-jährige kam immer wieder zwischendurch, musste mich mal an die Hand nehmen und sich über den Kopf streicheln lassen. Auch die Jungs, die ja so „cool“ sein wollen und dann doch Tränen verdrücken, wenns mal nicht so klappt wie sie sich das wünschen, brauchen meine persönliche Zuwendung.

Kurs 2010-2011

"Meine" Bonsais freuen sich über ihre erste Prüfung

Motivation an Bewegung und für Karate kann ich den „Zwergen“ nur vermitteln, in dem ich alles und damit meine ich wirklich alles mitmache. Das bedeutet auch Nachlaufspielen, um Schnelligkeit und Reaktion zu üben, und Matten-Wrestling (Raufen auf der dicken Weichbodenmatte). Weiter ist es wichtig, nicht nur die Techniken als solche zu zeigen und zu üben, sondern auch gleich deren Anwendung, also wofür sie „gut“ sind zu demonstrieren, damit sie den größeren Zusammenhang langsam sehen und erfassen. Und „spielerisch“ mit den Techniken umzugehen, heißt, sie selbst welche „erfinden“ zu lassen. Eine eigene Kata entstehen zu lassen. So viel Freiraum muss sein!

Motivation bei den „Großen“ zu erreichen ist etwas schwieriger, sie müssen  natürlich auch wissen, wofür es gut ist. Aber sie finden es nicht spannend, wenn ich jeden „Blödsinn“ (wie z.B. Matten-Wrestling) mitmache. Sie wollen sich abgrenzen. Hier der Trainer – dort wir! Vorbild muss ich trotzdem sein.

"Meine" Großen nach der ersten Prüfung

"Meine" Großen nach der ersten Prüfung

Dafür muss ich auch manches einstecken. Wenn ich ihnen zum Beispiel erkläre, dass ein Karateka den Bauch anspannt, um einen Schlag, den man „verpennt“ hat abzuwehren, einstecken zu können, muss ich dies demonstrieren. Heißt, ich spanne den Bauch an und die Kinder schlagen mit der Faust drauf, damit sie spüren wie „fest“ der Bauch ist. (Manchmal ist das gar nicht so lustig. Aber – Psst – bitte nicht weitersagen 🙂 )

Vorbild sein heißt auch, konsequent Karate-Etikette umzusetzen. Gemeinsames An- und Abgrüßen gehört dazu wie auch die Verabredung fester Kommandos, die nur der Trainer geben darf und die ohne wenn und aber zu befolgen sind. Das ist für manche schwierig. Für manche Eltern auch 😉

Konsequenz und Vorbild bedeutet auch, dabei zu sein, wenn sie ihre Prüfung haben (ich bin nicht ihr Prüfer!) und damit moralische Unterstützung zu geben, ihnen mit Blickkontakt während der Prüfung Mut und Zuversicht zu zu sprechen. Das geht und das kommt an.

Und wenn dann nach Jahren ein Violettgurt vor seiner Prüfung zu mir kommt – inzwischen coole 16 Jahre – mir um den Hals springt und ruft: „Danke, dass du uns so motiviert hast!“ ja dann ist es das schönste Geschenk, das man einem Trainer machen kann. Danke liebe Karate-Kids! #Hach

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