Parteiräson hin oder her

Oder: Warum ich mich politisch engagiere!

Ich werde öfter gefragt, warum ich mir es antue, Mitglied einer Partei zu sein (FDP) und mich politisch zu engagieren. Die Parteimitgliedschaft hat sich – ehrlicherweise – eher zufällig ergeben. Politisch interessiert bin ich seit ich zurückdenken kann, engagiert ohne Parteibuch habe ich mich auch schon lange. Meine Eltern haben immer mit mir über Politik diskutiert und zwar nicht „festlegend“, sondern offen und sachlich.  Sie regten mich an, unterschiedliche Perspektiven auf einen Sachverhalt zu wählen und aus dem jeweiligen Blickwinkel zu diskutieren, in die Gegenposition zu schlüpfen und zu argumentieren.

Ich bin Ihnen heute noch dankbar dafür. Aufgrund dieser „Schule“ schaue ich mir heute noch die verschiedenen Blickwinkel einer Sachlage an und bilde mir dann eine Meinung (kein Urteil), die aber nie festgeschrieben ist, wenn neue Erkenntnisse hinzukommen ändere ich meine Meinung schon mal 🙂

Wenn mir etwas Unrechtes aufgefallen ist, habe ich schon immer den  Mund aufgemacht und mich oft damit „in die Nesseln“ gesetzt, weil andere, obwohl gleicher Meinung, den Mund gehalten haben. Vor 5 Jahren zur Kommunalwahl in Hessen fragte mich mein Klassenkamerad, der schon lange FDP-Mitglied ist, ob ich für die FDP kandidieren würde. Er lockte mich damit, dass ich nicht Partei-Mitglied sein müsse und „hinten“ auf der Liste stehen könnte, also mit der Chance garantiert nicht ins Stadtparlament einziehen zu müssen.
Ich fand und finde so etwas halbherzig. Wenn, dann nur mit Parteibuch, ich stehe dazu oder nicht. Also bin ich in die FDP eingetreten. Nicht ohne vorher klargestellt zu haben, dass ich mir den Mund nicht verbieten lasse, Parteiräson hin oder her. Ich bin nicht bereit, irgendwelche Positionen entgegen meiner Meinung zu vertreten. Das haben meine Parteifreunde schon genügend in den 5 Jahren zu spüren bekommen. Geschätzt habe ich, dass wir immer sachlich diskutierten und zu einem guten Ergebnis kamen.
FDP-Mitglied bin ich geworden, weil  ich sehr liberal groß geworden bin, mir die Position der Partei in Friedberg/Hessen gefiel und ich über Jahre gesehen habe, dass die Menschen in der Partei gute Politik gemacht haben, authentisch und überzeugend.

Meiner Überzeugung nach, kann ich nur „meckern“, wenn ich mich engagiere, also zumindest zur Wahl gehe. Mit Nicht-Wählern und/oder Menschen, die hinterher einfach nur gegen alles sind ohne wirkliche Alternativen vorzustellen habe ich ein Problem.
Ich habe erlebt, dass man etwas bewirken kann, wenn man sich engagiert und wenn man wirklich will. Sicher – es geht mir auch oft zu langsam, viel zu langsam – und manchmal verzweifle ich, weil mir unternehmerisches Denken fehlt…

Aber deswegen nichts tun? Nein, das ist keine Alternative!

4 Gedanken zu „Parteiräson hin oder her

  1. … habe ich mit Genuss gelesen, da ich vor einigen Wochen einen ähnlichen – nur kleineren Weg – eingeschlagen habe. Mehr solcher Bürger würde unsere Politik wieder verständlicher für’s Volk machen … ich drück‘ Dir alle Daumen!

  2. @Basadai
    m. E. spielt die Partei erstmal nur eine untergeordnete Rolle – das Engagement zählt – und schließlich sind wir doch alle froh demokratisch zu leben! Das geht aber nunmal nur, wenn entsprechendes Interesse der Politik entgegengebracht wird. Auf Landes- oder Kreisebenen sind Parteien sowieso oft nicht mit der Bundespolitik vergleichbar – da geht’s schließlich um regionale Gegebenheiten und um Leute die auch mal den Mund aufmachen.

  3. Pingback: Basadai » Wahlkampfimpressionen

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