Toiletten-Patenschaften für Eltern?

Oder: Hilfe, mein Kind soll sich mit einem WC identifizieren!

Ich dachte, ich lese nicht richtig. Da flattert mir dieser Tage eine Email der Elternvertreterin der Tutorengrupe meines Kindes in den Postkasten, mit dem Betreff: „Sachstand WC-Gruppe!“

Überzeugt davon, dass ich mich mit Sicherheit verdacht haben muss (es MUSSTE einfach „Wander-Cafeteria“ oder so was Ähnliches heißen), öffnete ich die Mail.
Nein, ich hatte mich nicht geirrt. Es ging tatsächlich darum, eine Elterninitiative zu gründen, um den Kindern beizubringen, pfleglicher mit den Toiletten umzugehen, bzw. die Hygienemängel zu beseitigen.

Ansich ein löbliches Unterfangen und geeignet, nicht ausgelastete Elternteile zu beschäftigen (nein, ich möchte jetzt nicht darüber diskutieren, wer warum in den Elternbeirat geht und wer nicht!). – Wie gesagt, die Idee ist nicht schlecht und es gibt sicherlich vielerlei Missstände in Sachen „Schultoiletten“ zu beheben. Aber die Ideensammlung hat schon was (ein Auszug):

Idee Pro Contra
Schüler renovieren und umliegende Unternehmen sponsern Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit dem WC.

Entanonymisierung der Schülerinnen und Schüler untereinander

Planung ist notwendig
Hygiene-Workshop in der Projektwoche Erweiterung des Horizontes Hohe Vorlaufzeit, strategisch zu langsam
Teilnahme der Schule an einem geförderten Wettbewerb Eine tolle Herausforderung, der Einsatz lohnt sich auch über die Grenzen der Schule hinaus Gibt es dazu Wettbewerbe?
Pipi-Maut Saubere WCs und Kontrolle der Anlage Keine Identifikation der Schülerinnen und Schüler
Schlechte Hardware bleibt
Frustrations bzw. Wutabbau anbieten WCs werden nicht als Wutableiter missbraucht Boxsack? Verletzungsrisiko?

Mir scheint als hätten hier einige verkappte Sozialpädagogen erbarmungslos zugeschlagen 🙂

Ich sehe schon die Hinweis-Schilder über den WCs:

  • Diese Schüssel wird gefördert von Bäckerei „Wischi“
  • Hier Entanonymisierten sich Aysche und Sandra
  • 1x spülen und Hygiene-Fahrschein entnehmen – 2x spülen und das 3x ist frei
  • Zur Horizonterweiterung nehmen Sie bitte die Toilette hinten links
  • Zum Händewaschen bitte hier hineinboxen

Ich plädiere für die Pipi-Maut. Sanifair wird’s freuen und die Kinder könnten die Gutscheine noch in der „Wander-Cafeteria“ einlösen, natürlich nur für ein gesundes und hygienisches Frühstück, völlig entanonymisiert, bewusstseinserweiternd und wutfrei!

PS: Dieser Elterngruppe bin ich natürlich nicht beigetreten!
Ich organisiere stattdessen Deeskalationskurse für Eltern, die solche Emails bekommen 🙂

11 Gedanken zu „Toiletten-Patenschaften für Eltern?

  1. „Entanonymisierung untereinander“ klingt echt nach einem falschen Film. O_O

    Ich war ja heute bei einem Patchworktreffen in einer Schulbibo, dort hatte es Toiletten, aber der „große Willi“ hing im Flur vor den eigentlichen Toiletten und die Klobrillen waren hochgeklappt, was eine Teilnehmerin zu dem Ausspruch animierte: „Oh, wir sind ja in einer Schule, das merkt man, da gibt es keine Klobrillen und keine individuellen Papierrollen, wegen des Vandalismus.“ *headdesk*

    Vielleicht solltest Du an die Zeitung schreiben „Elternbeirat erfindet Winterloch – Zwanghafte Tätigkeiten zwischen den Jahren“. *ggg*

  2. Tutorengruppe hört sich nach Gymi an. Schon peinlich, wenn sich Eltern darüber Gedanken machen und Abhilfe schaffen wollen, wenn die lieben Teens nicht wissen wie man ein öffentliches Klo benutzt. Ob die Binden, Tampons und Klopapier zu Hause auch daneben schmeißen?
    So ein Toilettentraining kann schon helfen, vor allem ist es schön peinlich. Manchmal reicht auch eine Androhung dies organisieren zu wollen.
    Sollten die Klos allerdings so aussehen als wäre man in einem Plumpsklo anno 1642 gelandet, könnte man sich schon fragen wieso das in der Schule bisher keinen interessiert hat.
    Wie sieht den die Mensa und das Essensangebot aus. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen und endet wo …?

  3. @hesting: Ich mach ein Wikileaks von Schulelternbeiratssitzungen 🙂 Dann wird alles Zwangs-Entanonymisiert…
    @serena Fast ncoh peinlicher finde ich die Ideen der Eltern. Vor allem, dass die sich ernsthaft einbilden, es gäbe Unternehmen, die Toiletten-Renovierungen sponsern und sich mit ner Plakette zufrieden geben… Einfach völlig naiv.

  4. Also mein Favorit ist ja die Idee mit dem geförderten Wettbewerb 😀 Und irgenwie so typisch, in der Contra-Spalte dann aufzuführen, ob es so etwas überhaupt gibt. Da fragt man sich schon, auf welchem Stern die leben.

  5. @Federkiel Du glaubst gar nicht für welchen Sch*** es geförderte Wettbewerbe gibt!
    Stern? Das ist – ungelogen – die gleiche Frau, die als Ziel der Klassenfahrt Italien statt Toskana vorschlug… Noch Fragen? 😀

  6. @Hermione Gute Idee, ihr bekommt so was gerne von mir, leider sind die nur 2x im Jahr, aber ich werde sicherlich weitere Emails bekommen. Ich richte eine neue Rubrik ein, schließlich haben wir noch 2,5 Schuljahre vor uns 🙂

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