Was heißt hier schon kompetent?!

Ein Theaterstück in 3 Akten

Akt 1:
Gespräch mit Vertreterinnen von Wildwasser, der Frauenbeauftragten eines Kreisgebietes und dem Frauennotruf besagten Kreises. Grund: Ich wollte prüfen, ob diese Vereine nicht Veranstalter von Selbstbehautpungs- und Selbstverteidigungskursen für Frauen sein können, die ich als Trainerin leite.

Wir treffen aufeinander! Seltsame Blicke kommen bei mir an und ich werde mir bewusst, dass ich mit Jeans und Blazer overdressed bin. Ich kann es nicht fassen, da hat sich in den letzten 30 Jahren (damals war ich in der Frauen-Erwachsenenbildung tätig) nichts geändert. Immer noch Schlabberhosen, immer noch verwaschene pink-lila-grau-blau-sonstwas Blusen oder T-Shirts mit vielen bunten Tüchern um den Hals.  Ich war die Einzige, die geschminkt war, die Einzige ohne Klimakteriumsrot auf dem Kopf….

Bei einem Tee setzen wir uns und bei mir macht sich das Gefühl breit: Du kannst langjährige Erfahrung in Frauenarbeit haben und die tollste Ausbildung und Erfahrung als B-Trainerin SV (DOSB) haben, das wird hier nix! Puhhh…

Akt 2:
Ich stelle mich vor und berichte außer über meine Trainingserfahrung auch über die in der Frauenarbeit. Fragen über Fragen:

Wissen Sie denn um häusliche Gewalt?
Wissen Se um strukturelle und politsche Gewalt?

Hach, nie gehört! Liebe Frauen, ich habe 10 Jahre in einem Frauenverband gearbeitet und nur Bildungsarbeit gemacht!

Weitere Fragen:

Ist Ihnen klar, dass da traumatisierte Frauen in den Kurs kommen?
Können Sie damit umgehen?

Hach, nie gehört! Liebe Frauen, ich habe 10 Jahre in einem Frauenverband gearbeitet und nur Bildungsarbeit gemacht! Und ich habe eine gute Ausbildung genossen, 20 Jahre Kampfsport, und meine SV-Lehrer waren/sind Polizisten und erfahrene Kämpfer. Wenn ich’s nicht wüsste, hätte ich keine B-Trainer-Lizenz.

Ich habe alle Fragen geduldig und umfassend beantwortet! Wunderte mich über mich selbst. Aber woher sollen sie es denn wissen, wenn ich nicht die Vorurteile ausräumen kann?

Akt 3:
Ich habs wohl nicht geschafft, die Vorurteile auszuräumen. Fazit des 1-stündigen Gesprächs:

Wenn Sie mal einen Kurs anbieten für Frauen würden wir gerne hospitieren, um zu sehen, ob Sie das richtig machen.

Der Moment ist ideal, um aufzustehen und mich freundlich zu verabschieden mit den Worten:

Gerne, das tue ich dann!

Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht zu sagen was auf selbiger liegt:

Machts euch selbst! Ich habe genügend Kompetenz und Lebenserfahrung, obendrein die Lizenzen, die nicht verschenkt werden, da brauche ich mich nicht noch von euch zertifizieren lassen.

Aufrecht verlasse ich die Bühne und werde mir eine neue Spielwiese suchen.

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