Manche Dinge erledigen sich von selbst und nur die kleine Freelancerin ist schuld!

Digitale Prokrastination (1)

Ich bekomme eine Anfrage eines großen Event-Veranstalters, ob ein Kunde von mir bei einer Kongress-Messe ausstellen will. Ich halte das Angebot für interessant, weil Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, die Zielgrupe, der Zeitpunkt und das Thema der Workshops zur Messe eine Punktlandung im Marketing-Konzept meines Kunden sind. Einzig: es ist kein Etat mehr vorhanden im laufenden Geschäftsjahr. Aber kein Problem, wir haben in den letzten Jahren für solche Angebote immer wieder über die EMEA-Ebene Gelder bekommen.

Also frage ich per Email bei Peter, den Marketing-Leiter DACH, an, ob er mir zustimmt was die Wichtigkeit der Veranstaltung betrifft (natürlich mit allen Argumenten, wieso die Teilnahme an der Messe wichtig ist und warum sie so gut in das Marketing-Konzept passt), und ob wir dafür zusätzlich Geld über EMEA bekommen können. Vier Tage später bekomme ich eine Mail in Kopie, die Peter an Markus, Marketing-Leiter EMEA, richtet: „Hallo Markus, haben wir noch ‚Luft‘ im Budget?“ Keine weiteren Erläuterungen. Eine Woche später schreibt Markus an Jim, seines Zeichens Marketing-Leiter für dieses Thema weltweit, eine Email (in Kopie an Peter und mich): „Hi Jim, could we sponsor Peter?“

– Aha – wir spielen digital „Stille Post“.

Ich hatte zwischendurch schon 2 Nachfragen vom Event-Veranstalter, wie es denn mit der Buchung aussehe, der Konkurrent sei auch an dem Standplatz interessiert. Meine zögerliche Antwort: wir arbeiten dran!

Derweil schreibt Jim an Markus – nach immerhin drei Tagen: „Why?“ Und was glauben Sie? Nach weiteren drei Tagen fragt Markus Peter: „Wofür braucht ihr Geld?“ Zwei Tage später schreibt Peter mir: „Setz dich doch bitte direkt mit Thomas in Verbindung!“ – NEIN!  – Thomas ist der CMO, Chief Marketing Officer, weltweit. Ich zu Peter, diesmal per Telefon: „Du meinst wirklich, ich soll wegen einer Messe in Deutschland, die zufällig gut in unser deutsches Konzept passt, Thomas – also wirklich DEM Thomas – eine Mail schicken und um Freigabe eines zusätzlichen Budgets von 10KUSD bitten?“ „Ja, und bitte dem kompletten Marketing-Verteiler in Kopie.“ – „Weltweit?“ – „Ja! Weltweit.“
Aha!

Ihr könnt euch denken, wie das ausging: Tim hat‘s an die Ebene unter ihm delegiert, der wiederum nach unten, usw. Bis es wieder bei Peter landete, der mich fragte: „Was hast du in dieser Sache getan!“ – Ich, zugegeben etwas entnervt: „Lies einfach alle Mails der letzten fünf Wochen. Aber bitte auch die vom Veranstalter, die ich dir vor 3 Tagen weitergeleitet hatte, der Standplatz ist an unseren Konkurrenten gegangen, weil wir nicht schnell genug reagiert haben!“ – Peter: „Dann sei das nächste Mal schneller, das war eine gute Gelegenheit, die hätten wir uns nicht durch die Lappen gehen lassen sollen!“

An dieser Stelle habe ich ein 2stündiges Karate-Training benötigt um wieder herunterzukommen. Seither suche ich nach einem angemessenen Platz für einen Sandsack in meinem Büro.

Aber eines habe ich gelernt:
Immer alle Mails jedem in Kopie! Damit auch immer alle über die digitale Prokrastination informiert sind und ja keiner denkt, man habe das Problem nicht ernst genommen oder gar, nicht weiter verfolgt.
Zumindest kann hinterher keiner sagen, er habe es nicht gewusst!

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